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29.05.1999

Ist alles Böse vergessen?

Heute vor fünf Jahren starb Erich Honecker, letzter Staats- und Parteichef der DDR, 82jährig in Chile. Witwe Margot (72) bewahrt seine Urne in ihrem Wohnzimmer im Promi-Viertel La Reina (Santiago) auf.

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Erich Honecker. Sein Gesicht weckt heute bei vielen nicht nur schlimme Erinnerungen.

Zu Hause, im Osten, ist „Honi“ inzwischen ein Ostalgie-Symbol.

Honecker-Double Kurt Schmidt (77) aus Wolfen ist ausgebucht. Die 15jährigen bei seinen Shows kennen den Namen Honecker kaum, aber Mittvierziger pilgern bewußt hin. Schmidt: „Viele wollen die DDR nicht wiederhaben. Aber sie war nicht nur FDJ und Kampfgruppe, sondern auch der erste Kuß im Ferienlager. Wenigstens für ein paar Stunden wollen die Menschen zurückversetzt werden.“

Auch Honeckers Buch „Moabiter Notizen“ (Verlag Edition Ost, 24,80 Mark), geschrieben im Berliner Knast, läuft gut. Es wurde mehr als 35 000mal verkauft, jeden Monat kommen 50 Bestellungen dazu, viele aus dem Westen.

Andere Honi-Hinterlassenschaften haben nicht solchen Erfolg. Seine Wochenend-Residenz in Mecklenburg wurde just verkauft. Das christliche Jugendwerk mußte das Haus wegen mangelnder Nachfrage schließen, jetzt soll es „Natur-Hotel“ werden.

Auch Honeckers Yacht „Ostseeland“ war ein Ladenhüter. 1998 wurde sie in die Türkei versteigert, jetzt schippern Touristen auf dem Diktatoren-Kreuzer (Bord-Gäste: Fidel Castro, Ceausescu) durch den Bosporus.

Also alles Düstere schon vergessen? Bürgerrechtler und Buchautor („Geschichte der Opposition in der DDR“) Erhardt Neubert (58): „Das Leben unter Honecker sah friedlich aus, war aber perfekte Unterdrückung. Er unterschrieb für Menschenrechte in Helsinki und ließ seine Bürger an der Mauer erschießen.

Diese Tatsachen sollte man nicht vergessen, auch wenn schöne Erinnerungen sie heute überdecken.“



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TorstenSippel@gmx.de


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Ausweis: KSZE-Ausweis von Erich Honecker, 1975


Ausweis von Erich Honecker, Delegationsleiter der DDR bei der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE)
Als Staatsratsvorsitzender der DDR unterzeichnet Erich Honecker auch am 1. August 1975 die KSZE-Schlußakte.
Helsinki, 1975
Papier, Kunststoff
13,4 x 7,4 cm
Deutsches Historisches Museum, Berlin
Inv.-Nr.: DG 75/505








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